Du und Deine Welt

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Geschichte der Sonderschauen  auf der "DDW"

Initiiert durch die ahf wurde 1955 die Sonderausstellung “Schau für die Frau” aus der Lebensmittelfachausstellung “LEFA” ausgegliedert und als “Du und Deine Welt, Ausstellung für die Frau” eine eigenständige Messe, deren ideeller Träger die ahf / der Landes- frauenrat bis heute ist. Wie die “Schau für die Frau”, die seit 1950 Bestandteil der “LEFA” war, umfaßte die Messe “Du und Deine Welt” alle Haushaltsbereiche mit Ausnahme von Lebensmitteln und Getränken, deren Darstellung bei der “LEFA” verblieb. Durch die beginnende Technisierung des Privathaushalts standen Geräte für Küche und Haushalt im Vordergrund. Die ahf setzte auch durch, daß die Frau als Berufstätige im Mittelpunkt stand und nicht nur als Hausfrau und Mutter. Hierdurch wurde ein umfassenderes Frauenbild vermittelt, als in früheren hauswirtschaftlichen Ausstellungen.

Die Berufstätigkeit der Frau war von Beginn an Schwerpunkt der Sonderschauen der ahf / des Landesfrauenrats, welche in einer eigenen Halle mit jeweils wechselndem Hauptthema gestaltet werden. Bei der Hamburg Messe wurden anfangs diese Sonderschauen in einer eigenen Abteilung – Abteilung Sonderschauen – jeweils ein halbes Jahr exklusiv und unter Einbeziehung eines extra verpflichteten Architekten, vorbereitet.

Diese Sonderschauen boten den Mitgliedsvereinen der ahf / des Landesfrauenrats die einmalige Möglichkeit einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in ihre vielfältige Arbeit zu geben. Jedoch band die Gestaltung dieser Sonderschauen auch ein großes Potential des ehrenamtlichen Engagements im heutigen Landesfrauenrat. Die Themen der ersten Sonderschauen waren 1955 “Welt der Frau”, 1957 “Mach Dir das Leben schön”, 1959 “Freude an jedem Tag” und 1961 “Junge Welt – Schöne Welt”.

Weit über den Rang eine bloßen Verkaufsausstellung hinaus kam die Messe “Du und Deine Welt” insbesondere durch die Einbeziehung der Bereiche Lebensberatung und Information auf Betreiben der ahf. Die Verpflichtung von Prominenz aus Politik und Kultur ist ein weiterer Punkt, für den die ahf / der Landesfrauenrat verantwortlich zeichnet. Eröffnungsredner waren bisher immer der Erste Bürgermeister Hamburgs sowie häufig auch Bundesministerinnen. Somit war die Eröffnung der Messe “Du und Deine Welt” jedes Jahr auch ein gesellschaftliches Ereignis für die Stadt Hamburg. Auch große Wirtschaftsunternehmen konnte der Landesfrauenrat zur Mitwirkung gewinnen. Die HEW richtete jahrelang die HEW-Schauküche aus, welche jedes Mal eine der Hauptattraktionen war, und die Hamburger Wasserwerke spielten eine zentrale Rolle bei der Sonderschau 1983 zum Thema “Wasser – kostbares Gut”. Das Sonderthema 1989 “Frauen und Medien” wurde maßgeblich von Hamburger Verlagen unterstützt.

Durch die Rolle der ahf als ideeller Träger und Veranstalter der zentralen Sonderschauen wurde die Messe “Du und Deine Welt” zu einem großen Erfolg und die führende Verbraucherausstellung Deutschlands. Mit dieser Entwicklung, die sich über einige Jahre erstreckte, stiegen auch die Besucherzahlen und die Zielgruppen erweiterten sich. 1965 wurde daraufhin der Untertitel der Ausstellung “Du und Deine Welt” von “Schau für die Frau” in “Ausstellung für die Familie” geändert. Für die Hamburger Frauen und ihre Familien ist der Besuch der “Du und Deine Welt” sowieso ein “Muss”: als 1995 die fünfmillionste Besucherin ermittelt wurde, stellte sich heraus, daß sie als Hamburgerin seit 1955 jede “Du und Deine Welt” besucht hatte!

Der gesellschaftliche Umbruch am Ende dieses Jahrtausends war Mittelpunkt der Sonderschauen der neunziger Jahre. Sonderschauthemen wie “Familie – wohin geht der Weg” (1994), “Frauen kreativ – Frauen gestalten die Zukunft” (1996), „Gesellschaft im Umbruch“ (1997) und “SO wollen wir leben” (1998) zeigen dies. Auch die Einrichtung eines Spendencafés und anderer Daueraktivitäten vergrößerten die Besucherzahlen der Sonderschauen und erwirtschafteten jährliche Spendengelder. Der Spendenerlös, der mit Hilfe von Sponsoren wie z.B. der Wittenseer-Quelle, Harry-Brot, Abraham-Schinken, und Darboven, jährlich zwischen 7.500 und 10.000 € betrug, wird jedes Jahr an ein anderes Mädchen- oder Frauenprojekt vergeben. 1995 waren dies die Hamburger Tafel, 1996 die Textilnäherei Steilshoop, 1997 das Café Sperrgebiet, 1998 die Bille-Insel, 1999 der Ambeki-Fonds, 2000 „patchwork- Frauen helfen Frauen gegen Gewalt, 2001 die Krankenstube für obdachlose Frauen im ehemaligen Hafenkrankenhaus, 2002 die Rechtsmedizinische Untersuchungsstelle für die Opfer von Gewalt, 2003 amnesty for women für ihr Projekt femigration, 2004 das Marianne-Doell-Haus für obdachlose Frauen sowie das Müttertelefon, 2005 Kemenate und der Sozialdienst katholischer Frauen für seine Kriseninterventionswohnung.

Themen der letzten Jahre waren z.B. 2000 „frauen macht medien“, 2001 „Hamburger Ehrenamt – Verantwortung für Mensch und Gemeinwohl“, 2003 „Gleichberechtigung – (k)ein Thema für Männer!?“ und 2005 „Frauen planen Hamburg“.

Seit Mitte der 60er Jahre spielten auch Kongresse in Zusammenhang mit der Ausstellung “Du und Deine Welt” eine wichtige Rolle. Den Anfang machte 1965 der Kongreß “Frau und Beruf”. Die Referentinnen hierzu kamen aus den drei in der Bürgerschaft vertretenen Parteien. Die große Teilnehmerinnenzahl, über 200, zeigt, daß dieses Thema und die Art seiner Präsentation von den Frauen sehr gut aufgenommen wurde. Auch das Presse-Echo war groß, doch hatten die (vermutlich vornehmlich) Herren Redakteure wohl so ihre Schwierigkeiten mit dem Bild der berufstätigen Frau, wenn man Rückschlüsse aus den Zeitungsüberschriften ziehen kann: “Karriere oder Hochzeitskleid – schwere Entscheidung für berufstätige Frauen”, “Wie tüchtig darf die Frau im Beruf sein - Karriere und Ehe” und “Chance und Last der Frau im modernen Berufsleben”.

Nach den guten Erfahrungen des Frauenkongresses vor der Messe 1965, veranstaltete man 1967 als Auftakt ein „Streitgespräch“ mit Vertretern der Presse, der Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft, der Parteien und Frauenorganisationen über die Position der Frau in der sich wandelnden Welt.

Zur Eröffnung der Messe 1969 unter dem Thema “Blick in die Zukunft” wurde von der ahf wieder ein Kongreß veranstaltet, der mit ca. 500 Teilnehmerinnen, darunter zahlreiche männliche und weibliche Politiker und mit Gästen aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern wahrhaft gut und international besucht war und dessen Referenten und Referentinnen, z.B. Bundesforschungsminister Gerhard Stoltenberg und der Hamburger Journalist Rüdiger Proske, sich mit den Lebensbedingungen des Jahres 2000 auseinander setzten.

1971 fand zeitgleich zur Messe eine norddeutsche Frauenkonferenz statt, zu der zum Thema “Die Frauen auf dem Wege zur eigenen sozialen Sicherheit” der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung Dr. Ehrenberg befragt wurde. Zu ergänzen ist hier nur, daß 300 Anmeldungen eingingen, aber weit mehr, nämlich 500 Teilnehmerinnen kamen.

1976 wurde zum internationalen Jahr der Frau ein internationaler Frauenkongress durchgeführt. Mehr als 600 Teilnehmerinnen, u.a. aus Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Holland, Indien, Israel, Japan, Luxemburg, Nicaragua, Brasilien, Norwegen, Österreich, Persien, Polen, Schweden und der Schweiz, arbeiteten in drei Arbeitskreisen zu den Themen “Wirtschaft und Konsum”, “Die Frau in Beruf und Familie” und “Die Frau im öffentlichen Leben”. Am zweiten Tag dieser Veranstaltung wurden die erarbeiteten Positionen in einem mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft besetzten Podiums- gespräch diskutiert.

So trugen die vielfältigen Aktivitäten des Landesfrauenrats im Zusammenhang mit der Messe “Du und Deine Welt” in erheblichem Maße dazu bei, die frauenpolitischen Ziele des Landesfrauenrats den Bürgerinnen und Bürgern der Metropolregion Hamburg bekannt zu machen.

2014 fand die Messe zum lezten Mal statt. Durch veränderte Kaufgewohnheiten und anderen Informationsquellen entsprachen sie nicht mehr den Wünschen und Bedürfnissen der BesucherInnen. Die Besucherzahlen gingen so weit zurück, dass sich die Messe entschloss, die Du und Deine Welt ab 2015 nicht mehr durchzuführen.


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